Neu Fahrland: Endlich eine Küche – und dann war Schluss
Schön war es in Neu Fahrland – auf dem Gelände der Baumschule Kania. Endlich eine echte Küche und ein solides Haus. Nach drei Jahren im Container, in dem wir Burger gebraten und Caterings vorbereitet haben, fühlte sich das fast luxuriös an: ein Dach über dem Kopf, das nicht wegweht. Wasserleitungen, die nicht einfrieren. Und ein Biergarten, in dem unsere Gäste sitzen konnten, während Walter und Elvis ihren üblichen Quatsch machten.
Ganz einfach war es trotzdem nicht. Dafür gab es mehrere Gründe.
1. Gastronomie seit der Pandemie ist mal hüh, mal hott – zumindest in unserem Segment. Leider lässt sich Lutz auf „nur Espresso“ nicht ein.
2. Die Lage. Je näher an der Stadt, desto teurer. Auf dem Land inzwischen auch – wenn man überhaupt etwas findet.
3. Die Umstände. Personal zu bekommen ist nicht einfach, vor allem wenn man keinen 40-Stunden-Job mit regelmäßigem Gehalt, Urlaub und freien Wochenenden anbieten kann. Wir hatten Glück und wurden von Freunden und Bekannten aus unserer Umgebung unterstützt. Aber ewig kann das natürlich nicht so weitergehen.
4. Lutz, das Chaos-Genie. Seine Weltansicht lässt sich schwer erklären.
5. Lutz’ Gesundheit. Seine Hüfte wurde immer schlimmer. Er läuft schief und versucht zwar, sich zu schonen – aber das klappt nur bedingt. Der 14-Stunden-Job „Le Pot“, sechs Tage die Woche, war irgendwann gesundheitlich nicht mehr machbar.
6. Umsatz ohne Gehalt. Lutz hat sein eigenes Gehalt am liebsten gleich wieder in den Pot gesteckt. Die Berliner Regierung müsste ihn eigentlich lieben.
7. Dann kam das abrupte Ende: Die Location in Neu Fahrland mussten wir kurzfristig räumen, weil der Investor allen gekündigt hat. Danach hatten wir erstmal keine große Lust mehr, irgendetwas zu machen.
8. Heute arbeitet Lutz als angestellter Koch – nicht im Restaurant.
9. Ganz aufhören können wir trotzdem nicht. Deshalb gibt es weiterhin Catering – allerdings mit Partnern. Der erste Partner ist das Augustiner am Park Sanssouci. Darüber berichten wir bald.